Rassismus und Sprache – Was ist das?
Sprache schafft Wirklichkeit. Sprache kann ungleiche Machtverhältnisse festigen oder herausfordern, Ungerechtigkeit verdecken oder aufdecken. Sie vermittelt Bilder und Vorstellungen, die über Generationen weitergegeben werden. Sie ist ein wesentlicher Baustein für das sogenannte ``rassistische Wissen``, das - oft unbemerkt und unbeabsichtigt - in einer Gesellschaft verbreitet wird.

Schon alleine die Assoziation zum Begriff „schwarz“ verdeutlicht, was damit gemeint ist. ``Schwarz`` wird in unzähligen Redewendungen dazu verwendet, um Negatives zu bezeichnen, „Weiß“ hingegen steht meist für etwas Positives. Wer täglich mit solch be- und abwertenden Sprachbildern umgeben ist, kann sich in anderen Zusammenhängen nur schwer von den Assoziationen lösen. Die Selbstbezeichnung als Schwarze Menschen zielt bewusst darauf, diesen Automatismus zu durchbrechen, dem Wort Schwarz eine wichtige und positive Bedeutung zu geben und es so zu einem Instrument der Selbst-Ermächtigung zu machen.

Durch die Sprache werden Personen zu wiedererkennbaren sozialen Wesen. Personen werden ungefragt Eigenschaften zugeschrieben, Identitäten werden konstruiert und bestätigt. Rassistische Zuschreibungen setzen sich so im kollektiven (weißen) Gedächtnis fest und bleiben dort hartnäckig haften.

Rassistische Sprache ist verletzend - und zwar unabhängig davon, ob sie ``rassistisch gemeint`` war oder nicht. Wie eng Sprache und gesellschaftliche Machtverteilung zusammenhängen, zeigt sich auch an der Vehemenz, mit der Sprachgewohnheiten oft verteidigt werden. Doch was verletzend ist, entscheidet nicht die sprechende Person, sondern die bezeichnete Person. Weiße Personen, die darauf hingewiesen werden, dass sie - sei es absichtlich oder unabsichtlich - rassistische Begriffe verwendet oder rassistische Vorstellungen transportiert haben, reagieren häufig mit dem Vorwurf der ``Empfindlichkeit``. Dieser reflexartige Abwehrmechanismus dient dazu, der Auseinandersetzung mit (dem eigenen) Rassismus auszuweichen. Wer an der Überwindung von Rassismus mitwirken möchte, sollte solche Hinweise ernst nehmen, sich über Worte und ihre Bedeutungen informieren und nach anderen Begriffen suchen, die nicht verletzend sind.

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Was können Sie dagegen tun?
Es gibt Alternativen um Menschen und deren Eigenschaften zu beschreiben. Im Umgang mit Menschen, die von rassistischen Zuschreibungen betroffen sind, sollte deswegen nur solche Bezeichnungen gewählt werden, die Personen für sich selbst wählen und andere autorisieren, diese ebenfalls zu verwenden. Deswegen sollte genau hingehört werden, wie Menschen bezeichnet (Selbstbezeichnung) werden möchten bzw. welche Benennungen sie als diskriminierend ablehnen. Wie kann dies geschehen: z.B. durch direktes Nachfragen oder in der Recherche bei Betroffenenverbänden.
Ein Beispiel: das ``N-Wort``
Schwarze Menschen werden in Deutschland von vielen weißen Menschen noch immer mit Worten bezeichnet, die untrennbar mit schwersten Menschenrechtsverletzungen wie der Versklavung, dem Kolonialismus und jahrhundertelanger Entwürdigung verbunden sind. Auch heute werden diese Worte in einigen gängigen Redenwendungen benutzt, die zumeist darauf angelegt sind, ihnen eine gesellschaftlich niedrige oder dienende Stellung zuzuschreiben. In einer Sprache, die auf Gleichberechtigung, Menschenwürde und Respekt wert legt, haben weder das „N-Wort“ noch das kolonial aufgeladene ``M.-Wort`` (nach dem in der deutschen Hauptstadt sogar noch eine U-Bahn-Station heißt!) etwas zu suchen. Dagegen bieten sich andere Begriffe, wie „Schwarze Menschen“, „Afrodeutsche“ oder die auch in Deutschland von vielen Menschen als Selbstbezeichnung gewählte Bezeichnung „Person / People of Color“ an. Person of Color oder People of Color kann nicht übersetzt werden, weil auch der Begriff ``farbig`` im Deutschen durch kolonialistische Verbrechen und jahrhundertelange Entrechtung negativ aufgeladen ist.