Rassismus im Alltag – Was ist das?
Von Alltagsrassismus wird dann gesprochen, wenn die Wahrnehmung und Perspektive derjenigen in den Mittelpunkt gestellt wird, die von Rassismen betroffen sind, also von Personen, die nicht dem angeblich „Normalen“ der Mehrheitsgesellschaft entsprechen. Dieser alltägliche Rassismus muss dabei keineswegs in extremer und bewusst gewollter Weise praktiziert werden, sondern hat sich durch eine unreflektierte Erziehung und/oder durch ständiger Wiederholung von Praktiken in der Mehrheitsgesellschaft manifestiert. Ist dies einmal geschehen, dann werden die eigenen rassistischen Handlungsweisen nicht als rassistisch erkannt, gelten in der Bewertung durch die Mehrheit als selbstverständlich und werden somit nicht mehr hinterfragt oder gar unterlassen.
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Was tut Amnesty?
Amnesty International hat im November 2016 eine Broschüre zum Thema Alltagsrassismus unter dem Titel ``Wir nehmen Rassismus persönlich`` veröffentlicht, die sich an jeden wendet und dazu aufruft, entschieden gegen Rassismus vorzugehen. Sie ist Ergebnis eines intensiven Austausches mit Selbstorganisationen von Menschen mit Rassismuserfahrungen sowie mit Expertinnen und Experten für Antidiskriminierung.
Neben den Texten von Amnesty International (gelb unterlegt) führen Gastbeiträge (weiß unterlegt) aus unterschiedlichen Perspektiven in das Thema ein. Die Zusammenstellung unterschiedlicher Texte und Perspektiven ist als Leseheft und Nachschlagemöglichkeit gedacht sowie zum Einsatz in der politischen und kulturellen Bildungsarbeit.
Zur Broschüre ``Alltagsrassismus``
Was können Sie dagegen tun?
Alltagsrassismen sind anerzogen und werden meist unreflektiert praktiziert. Jedoch kann alles was anerzogen wurde, auch wieder durch eine bewusste Auseinandersetzung mit diesen Ausgrenzungsmechanismen abgelegt werden.

Wenige einfache Schritte können Sie für eine andere Sicht- und Verhaltensweisen sensibilisieren:

1. Fragen Sie sich, wo und ob in Ihrer Erziehung Rassismen an Sie weitergegeben wurden. So haben z.B. viele Menschen als Kinder gelernt, dass „Zigeuner“ eine Bedrohung sind und dies obwohl es kaum Berührungspunkte zu Roma gab. Oder welche Vorurteile sind Ihnen in der Kinder- und Jugendliteratur begegnet?

2. Nehmen Sie einen Perspektivwechsel vor und begeben Sie sich gedanklich in Rolle von Minderheiten. Wie mag es Ihnen dann ergehen, wenn man Sie mit dem „N.-Wort“ oder als „Ausländer“ tituliert, der/die nur Interesse am Bezug von Sozialleistungen hat und dies obwohl er/sie einer geregelten Arbeit nachgeht und sich im örtlichen Sportverein oder im Elternbeirat engagiert?

3. Schauen Sie nicht weg! Täglich sind Menschen Rassismus, Gewalt und Diskriminierungen ausgesetzt. Menschen die davon betroffen sind, sind oft auf die Hilfe Ihrer Mitmenschen angewiesen. Schreiten Sie deswegen in angemessener Weise ein und falls dies nicht möglich ist, organisieren Sie Hilfe für die Betroffenen.

4. Engagieren Sie sich! Eine Vielzahl von Gruppen, Initiativen und Organisationen bieten Ihnen die Möglichkeit für ein aktives Engagement gegen Rassismus.