Was ist Rassismus?

Rassismus hat viele Gesichter. Ob Alltagsrassismus, rassistische Hetze oder rassistische Gewalt – ihnen allen ist gemein, dass sie diskriminieren und die Würde des Menschen antasten. Rassismus verletzt Menschenrechte.

Rassismus kennt viele Gesichter und ebenso viele Definitionen. Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) definiert Rassismus wie folgt: „Rassismus bedeutet die Überzeugung, dass ein Beweggrund wie Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion, Staatsangehörigkeit oder nationale oder ethnische Herkunft die Missachtung einer Person oder Personengruppe oder das Gefühl der Überlegenheit gegenüber einer Person oder Personengruppe rechtfertigt.“ Rassismus ist zudem eine Ideologie, die von einer Überlegenheit des eigenen Personenkreises gegenüber einem anderen Personenkreis ausgeht. Dies führt zu ungleichen Machstrukturen und Privilegien weißer Menschen.

Im historischen Kontext betrachtet führte Rassismus zur Kolonialisierung, ermöglichte den Imperialismus und findet sich heute immer noch in postkolonialen Strukturen wieder.

Rassismus darf nicht gleichgesetzt werden mit Ausländerfeindlichkeit oder sogenannte Fremdenfeindlichkeit. Erstere bedingt sich auf eine diskriminierende Haltung gegenüber Menschen aufgrund ihrer Nationalität. Letztere hingegen entspricht einer generellen Ablehnung gegenüber allen Menschen, die nicht Teil der eigenen, persönlichen Umwelt sind. Diese Ausgrenzung erfolgt aufgrund äußerer Merkmale. Anstelle des Begriffs „Fremdenfeindlichkeit“ wird empfohlen, den Begriff “Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit” zu verwenden. Der ursprüngliche Begriff wird einerseits oft dazu verwendet, eine Ablehnung gegenüber allem „fremden“ zu rechtfertigen, da dieses Unwohlsein oder die Angst vor Unbekanntem dem Menschen naturgegeben sei. Andererseits impliziert der Begriff, dass Menschen aufgrund ihres Aussehens, ihrer Religion oder anderer äußerlichen Merkmale als „fremd“ eingestuft werden dürfen.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit führt zu rassistischer Diskriminierung. In beiden Fällen handelt es sich um gedankliche Konstruktionen und soziale Prozesse, die sich durch alle Teile der Gesellschaft ziehen und tief verankert sind. Sie haben zur Folge, dass aufgrund des Gefühls der Überlegenheit asymmetrische Machtverhältnisse entstehen und es zur Ausgrenzung bestimmter Menschen kommt. Machstrukturen werden auch über Sprache und Begriffsbildung beeinflusst und/oder verstärkt. Sprache ist ein Machtinstrument, welches die wahrgenommene Realität stark beeinflusst – im negativen wie im positiven Sinne. Ein besonders sensibler Umgang mit Sprache ist deswegen erforderlich.

Rassismus ist nicht immer leicht zu erkennen. Eine diskriminierungssensible Sprache ist ein erster Schritt, um nachhaltig gegen Rassismus zu arbeiten. Die Dekonstruktion von Rassismus in Institutionen, Gesellschaft und Politik erfordert viel Zeit.

Aus „Memorandum des FORUMS MENSCHENRECHTE zum Internationalen Tag der Menschrechte am 10. Dezember 2007 gegen Rassismus und rassistische Diskriminierung.“

 

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Literatur

  • Geschichte des Rassismus
    Geulen, Christian
    ISBN 978-3-406-53624-3 bei C.H. Beck

  • Rassismus. Ein historischer Abriss
    Fredrickson, George M.
    ISBN 978-3930908981 bei Hamburger Edition

Der Begriff „Rasse“

Rassismus und rassistische Diskriminierung basieren auf der Kategorisierung von Menschen in sogenannte „Rassen“. Die Einteilung erfolgt über angeblich gemeinsame Eigenschaften und Merkmale, die Menschen zugeschrieben werden. Bereits im Jahr 1950 hat die UNESCO deutlich darauf hingewiesen, dass der Begriff „Rasse“ für einen sozialen Mythos steht und in keiner Weise biologisch haltbar oder vertretbar ist („Statement of Race“). Die Konstruktion und die daraus folgende Kategorisierung führt zu rassistischer Diskriminierung und hat in der Vergangenheit sowie in der Gegenwart ein enormes Ausmaß an Gewalt verursacht.

Jede Theorie und Ideologie, die eine Existenz unterschiedlicher Rassen befürwortet, ist in sich rassistisch.

Weiterführende Texte:

„... und welcher Rasse gehören Sie an?“ Zur Problematik des Begriffs „Rasse“ in der Gesetzgebung. Von Dr. Hendrik Cremer, Deutsches Institut für Menschenrechte. Positionspapier der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland zum Begriff ``Rasse``